Dr. med. Teodosiu
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Nabelschnurblut-Spende

Stammzellen-Reserve fürs Leben

Die Perspektiven der regenerativen Medizin sind beeindruckend.

ISeit etwa zehn Jahren besteht in Deutschland die Möglichkeit, Stammzellen aus Nabelschnurblut für spätere medizinische Anwendungen für das eigene Kind aufzubewahren oder die Zellen an eine öffentliche Blutbank zu spenden.

Der therapeutische Einsatz von Stammzellen gehört bereits heute bei einer Vielzahl von Erkrankungen zur medizinischen Realität.

Neben adulten Stammzellen aus dem Knochenmark existiert seit etwa zehn Jahren eine weitere Quelle für Stammzellen: NABELSCHNURBLUT.

Die Vorteile dieser jungen Stammzellen sind insbesondere in der hohen Vitalität und Proliferationskapazität zu sehen.

ALLOGEN VERSUS AUTOLOG

Grundsätzlich existieren zwei verschiedene Möglichkeiten einer Aufbewahrung von Stammzellen aus Nabelschnurblut:

  • die Einlagerung für das eigene Kind in einer privaten Nabelschnurblutbank (autolog)
  • eine Spende an eine der sechs öffentlichen Blutbanken ( allogen)

Seit Gründung der Zellbiologie suchen Wissenschaftler nach der einen »Stammzelle« als Ursprungszelle aller Organe.

Nabelschnurblut zeichnet sich durch eine relativ hohe Konzentration an Blutstammzellen aus, ein Umstand, der auf der Umstellung der fetalen Hämatopoese von der Leber in das Knochenmark beruht . Im Rahmen der ersten Nabelschnurbluttransplantation 1988 erhielt ein fünfjähriger Junge mit Fanconi-Anämie in Paris das Nabelschnurblut seiner jüngeren Schwester. Die erste öffentliche Nabelschnurblutbank wurde im Jahr 1991 in New York gegründet . Inzwischen gibt es mehr als 50 verschiedene Erkrankungen, die mit einer Stammzelltransplantation behandelt wurden. Diese umfassen hämatologische Erkrankungen (Leukämien, chronische Anämien, Lymphome), angeborene Immundefekte, schwere Stoffwechselstörungen und fortgeschrittene Stadien von Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises.

Bei den gewonnenen Zellen handelt es sich nicht um unendlich expandierbare Stammzellen im eigentlichen Sinne. Sie sind vielmehr Vorläuferzellen der leukozytären, erythrozytären und thrombozytären Reihe.

Technik der Nabelschnurblutspende

Die Gewinnung von Nabelschnurblut ist sehr einfach. Nach Abnabelung des Kindes wird das Nabelschnurblut mittels eines sterilen Entnahmesets in einer zucker- und zitrathaltigen Lösung gesammelt. Es werden zwei Techniken unterschieden: Zum einen erfolgt die Punktion der Umbilikalvene bei noch in utero liegender Plazenta.

Zum anderen wird das Blut nach der Geburt der Plazenta außerhalb des Entbindungsraums in einer dafür vorgesehenen Laboreinheit gesammelt. In diesem Fall ist durch den postpartalen Kollaps der Nachgeburt die Volumenausbeute häufig geringer .

Bei beiden Techniken bestehen für Mutter und Kind keine gesundheitlichen Risiken. Anhand einer zweiten, zum Entnahmeset gehörenden Punktionsnadel kann das Abnahmevolumen durch eine zusätzliche Punktion erhöht werden. Da die Spende nach Abnabelung des Kindes erfolgt, gehört das Nabelschnurblutpräparat aus juristischer Sicht der Mutter.

Nabelschnurblut wird nach Entbindung gesunder Neugeborener entnommen. Genetische oder erworbene Erkrankungen des lymphohämatopoetischen Systems müssen ausgeschlossen sein. Ebenso sollte kein Nabelschnurblut in Fällen von schweren hämatologischen, immunologischen oder infektiologischen Erkrankungen sowie bei relevanten Fehlbildungen bzw. Untergewicht (<1500 g) des Neugeborenen gespendet werden. Die Testung des mütterlichen Bluts auf Anti-HIV, Anti-HCV, HBsAg (»hepatitis B surface antigen«) und TPHA (Treponema-pallidum-Hämagglutinations-Assay) muss negativ ausfallen, und der CMV-Status der Mutter wird dokumentiert .

Öffentliche Nabelschnurblutbanken

Inzwischen sind weltweit über 40 öffentlichen Nabelschnurblutbanken. Etwa die Hälfte der gelagerten Produkte befindet sich in Banken, die innerhalb des internationalen Netzwerks Netcord zusammengefasst sind. Bis vor zwei Jahren wurden die meisten Präparate Kindern transplantiert. Die jüngsten Zahlen zeigen, dass inzwischen fast die Hälfte der Nabelschnurblutpräparate bei Erwachsenen eingesetzt wird.

Kommerzielle Nabelschnurblutbanken

Die Grundidee beinhaltet die Aufbewahrung des Nabelschnurbluts als »Lebensversicherung« für das Neugeborene, falls es im Laufe seines Lebens erkranken sollte. Weltweit herrscht hier ein unkontrollierter Wildwuchs aus mehr als 100 profitorientierten Firmen, die offensichtlich etwa zwei Millionen Präparate lagern.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind seine eigene Nabelschnurblutspende braucht, ist sehr gering und wird mit 1:2700 bzw. 1:1400 angegeben. Viele hämatologische Erkrankungen im Kindesalter gehen überdies mit genetischen Veränderungen einher, die bereits in den Stammzellen der Nabelschnurblutspende vorhanden sind.

Entgegen den Richtlinien der Bundesärztekammer akzeptieren einige kommerzielle Nabelschnurblutbanken niedrigere Volumina und Zellzahlen für die Einlagerung.

Viele Expertengremien verurteilen aus den oben genannten Gründen die Politik der kommerziellen Nabelschnurblutbanken. In Großbritannien sprach sich das Royal College of Obstetricians and Gynecologists gegen die routinemäßige, kommerzielle Sammlung von Nabelschnurblut aus, da bis dato die wissenschaftliche Grundlage für eine derartige Praxis unzureichend ist . Die italienische Regierung verbot 2002 die Gründung kommerzieller Nabelschnurblutbanken. Auch die amerikanische Akademie für Kinderheilkunde und das amerikanische Kolleg der Geburtshelfer und Gynäkologen, die Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe Kanada sowie das französische Nationale Ethikkomittee für Gesundheit und Lebenswissenschaften verurteilen das kommerzielle Nabelschnurblutbankwesen.

Unter anderem wird die Ablehnung damit begründet, dass für zukünftige regenerative Zwecke eigene Reservezellen auch aus dem eigenen Knochenmark gewonnen werden können. Die private Einlagerung wird daher nicht empfohlen, allerdings auch nicht ausdrücklich untersagt. Entscheidend ist vielmehr die objektive Aufklärung durch unabhängige Experten, die bei den kommerziellen Betreibern von Stammzellbanken leider nicht angeboten wird.

Ökonomische Aspekte

Kommerzielle Nabelschnurblutbanken asservieren Nabelschnurblutspenden gegen eine Gebühr, die in der Regel von den Eltern entrichtet wird. Für die Lagerung des Nabelschnurbluts in einer öffentlichen Nabelschnurblutbank fallen für die Eltern keine Kosten an. Diese werden von der Nabelschnurblutbank getragen und betragen für die initiale Prozessierung ohne Personal und Lagerungslogistik um die 1500 Euro.

Blutstammzellen aus Nabelschnurblut sind eine wertvolle Alternative zu Stammzellen aus Knochenmark und peripherem Blut. Dies gilt auch für erwachsene Patienten, bei denen kein unverwandter oder verwandter Spender zur Verfügung steht. Transplantationen nach dosisreduzierter Konditionierung bzw. der Einsatz von zwei Nabelschnurbluteinheiten könnten viel versprechende Behandlungsstrategien bei älteren und schwachen Patienten sein, die sonst für eine Stammzelltransplantation nicht infrage kämen.